Ein Licht geht um die Welt

Artikel Thüringer Allgemeine

2017

Nordhäuser gedenken der verstorbenen Kinderum Weltgedenktag für verstorbene Kinder, dem „Worldwide Candle Lighting“, stellen jedes Jahr Eltern, Verwandte oder Freunde eine Kerze in ihr Fenster, um ihrer verstorbenen Kinder zu gedenken.

Auch in Nordhausen wurden dieses Jahr Kerzen für verstorbene Kinder entzündet. Foto: N. Mattern

Nordhausen. Dieser Tradition ging eine Gedenkveranstaltung in der Nordhäuser Christus-Kirche der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde voraus. Bereits zum fünften Mal wurde die Andacht von der Kontaktgruppe für frühverwaiste Eltern, der Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern und dem Nordhäuser Hospizverein für betroffene Angehörige organisiert, um gemeinsam an ihre Kinder zu erinnern.

Unter dem Motto „Wege – gemeinsam denken wir an die verstorbenen Kinder“ sprach unter anderem die Pfarrerin Elisabeth Alpers von Biela, die als Trauerbegleiterin in der Gruppe für frühverwaiste Eltern aktiv ist. Es wurden Bilder von Wegen und Flüssen gezeigt und dazu ganz persönliche Geschichten erzählt, in denen sich die Gäste wiederfanden. „Du hast Licht in unsere Welt gebracht. Du bist geliebt, und wir erinnern uns an dich. Du lebst in unseren Herzen weiter.“ Mit diesen Worten lud Christina Raue-Fuchs alle anwesenden Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde ein, eine Kerze für das verstorbene Kind anzuzünden. „Hinter jeder Kerze steht eine Geschichte, ein Name, ein Mensch“. Es entstand ein Meer aus Lichtern.

Musikalisch umrahmt wurde das Programm erstmals von dem Kantor des Nordhäuser Doms, Thomas Hofereiter, der mit seinem Klavierspiel für besinnliche Stimmung sorgte. Im Anschluss war Zeit für Gespräche bei Tee und Plätzchen in entspannter Atmosphäre, denn die gemeinsame Trauer kann helfen, mit dem persönlichen Schicksal besser umzugehen.

Nicole Mattern / 18.12.17

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Fotografie

Gemeinsam an die verstorbenen Kinder denken in Nordhausen

Artikel Thüringer Allgemeine

2017

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember gedenken weltweit Eltern, Angehörige und Freunde ihrer verstorbenen Kinder, Enkelkinder und Geschwister.

Am Sonntag werden für verstorbene Kinder Kerzen angezündet. Foto: Patrick Seeger/dpa

Nordhausen. Das sogenannte Worldwide Candle Lighting, der Weltgedenktag für verstorbene Kinder, wurde 1996 von dem amerikanischen Verein „Compassionate Friends“, einem Zusammenschluss verwaister Eltern, ins Leben gerufen. Nach der Grundidee „Möge ihr Licht für immer scheinen“ werden traditionell abends um 19 Uhr Kerzen für die verstorbenen Kinder gut sichtbar in die Fenster gestellt.

Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie durch die Zeitverschiebung in der nächsten angezündet. So entsteht der Anschein einer Welle aus Lichtern, die in 24 Stunden einmal um die ganze Welt geht. Über verstorbene Kinder wird in unserer Gesellschaft nach wie vor kaum gesprochen. Wenn ein Kind stirbt, bleiben trauernde Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde zurück. Viele Betroffene wissen gar nicht, wo und inwieweit sie sich nach einem Verlust Hilfe suchen können und fühlen sich oft allein gelassen. Die Kontaktgruppe für frühverwaiste Eltern, die Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern und der Hospizverein Nordhausen haben es sich als Selbstbetroffene und Wegbegleiter zum Ziel gemacht, Eltern mit demselben Schicksal zusammenzubringen, um sich auszutauschen und ungezwungen über ihre Verluste und Ängste zu reden. Der Verein und die Kontaktgruppen wollen den Betroffenen aufzeigen, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind und ihnen Hilfestellungen im Umgang mit ihren Verlusten bieten.

In Nordhausen wird es am Sonntag, dem 10. Dezember, eine Gedenkveranstaltung von Betroffenen und Wegbegleitern für verwaiste Eltern und Angehörige geben. Bereits zum fünften Mal laden die Initiatoren um 16 Uhr in die Christus-Kirche der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Nordhausen in der Grimmelallee 51 ein, diesmal unter dem Motto „Wege – Gemeinsam denken wir an die verstorbenen Kinder“.

„Eltern, die dazu bereit sind, werden uns ihre Geschichte erzählen. Im Rahmen der Veranstaltung werden außerdem Bilder von wichtigen Momenten und Augenblicken gezeigt, Gedanken gesprochen und aufgeschrieben. Alle Gäste sind eingeladen, eine Gedenkkerze anzuzünden“, so Christina Raue-Fuchs, selbst Betroffene und Trauerbegleiterin beim Hospizverein Nordhausen, während der Vorbereitungen.

Musikalisch begleitet wird das dreißigminütige Rahmenprogramm dieses Jahr erstmals von Thomas Hofereiter, dem Kantor des Nordhäuser Doms. Im Anschluss an das Programm gibt es genug Zeit und Raum für gemeinsame Gespräche bei Tee und Plätzchen. Die Veranstaltung richtet sich an frühverwaiste Eltern und Eltern älterer Kinder sowie deren Großeltern, Geschwister, Paten und alle, die um ein Kind trauern. Es wird gemeinsam der verstorbenen Kinder gedacht. Um 19 Uhr hat dann jeder für sich die Möglichkeit, zu Hause eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen. Jedes Licht steht für ein verstorbenes Kind, zur Erinnerung, dass sie unser Leben erhellt haben.

Nicole Mattern / 09.12.17 / TA

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